Hadrian in Aigeai: ein neues Tridrachmon moreGephyra 4, 2007, 47-57 |
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GEPHYRA
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2007
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Florian HAYMANN*
HADRIAN UND AIGEAI: EIN NEUES TRIDRACHMON1
Abstract: Since 2005, Hadrianic silver coins from Cilician Aegeae have repeatedly appeared on the numismatic market. This made us reconsider the importance of the seaport in Roman times. Until now only coins dating from 117/118 A.D. to 133/4 were known. Recently, a tridrachm from 116/117 occurred. This coin must have been struck between early October and the very beginning of November while Hadrian was on his way to Cappadocia. It should – in the context of the subsequent coinage – be regarded as an indication for Aegeae’s promotion to a naval base under Hadrian.
Das kilikische Aigeai (heute: Yumurtalık) liegt am südöstlichsten Teil des Mittelmeers am Golf von Issos.2 Gegenüber von Aigeai erstreckt sich die syrische Küste mit Alexandreia kat’Isson (nahe İskenderun). Der Weg über See stellte die kürzeste Verbindung nach Syrien dar und ersparte den umständlichen Weg entlang der Küste.3 Nicht nur als Hafen, auch als Schiffswerft dürfte Aigeai bedeutend gewesen sein.4 Der „Alexanderroman“ berichtet von einer Gründung durch Alexander im Zusammenhang mit der Schlacht von Issos; Münzen belegen, dass diese Tradition in der Stadt seit der frühen Kaiserzeit sehr lebendig war.5 Zweifellos ist Aigeai eine makedonische Gründung, benannt nach der alten Residenz und Grabesstätte der Argeaden, Aigai.6 Als weiterer κτίστης wurde Julius Caesar verehrt, nach dessen Besuch im Herbst des Jahres 47 v. Chr. Aigeai seine Jahre nach einer neuen Ära zählte. 7 Vor
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Florian Haymann, Nordendstr.7, 80799 München, florian.haymann@campus.lmu.de .
Ich danke Catharine Lorber herzlich dafür, dass sie mir Einblick in ihr Manuskript (s. Anm. 13) gewährte und Fragen zum hadrianischen Silbergeld aus Aigeai ausgiebig mit mir diskutierte. Ebenso bedanke ich mich bei Wolfgang Fischer-Bossert für seine Anmerkungen zum Thema sowie bei Marcus Naumann, Fa. Numismatik Lanz, für seinen Hinweis auf das im Folgenden beschriebene Tridrachmon.
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Robert, Cilicie, 163.
Der erste epigraphische Beleg für die militärische Bedeutung des Hafens ist eine Weihinschrift von Themison, einem Neffen und Offizier des Antiochos III., die während des 5. Syrischen Kriegs (wohl im Jahr 197 v. Chr.) entstanden sein dürfte. Hierzu Sayar, Kilikien, 131-136. Auch der heutige Name Yumurtalık („Eierbecher“) spielt auf die gut geschützte Lage des Hafenbeckens an. Lucan hebt die Kiliker, insbesondere die aus Aigeai und Mallos, als eifrige Schiffsbauer (in Vorbereitung auf die Schlacht bei Pharsalos) hervor, kann sich dabei jedoch eines Seitenhiebes auf den früheren Ruf Kilikiens als Heimat von Piraten nicht enthalten: Mallos et extremae resonant navalibus Aegae, itque Cilix iusta, iam non pirata, carina. (Lucan, III 227-228). Mit Robert, Cilicie, 178 f. darf man annehmen, dass Aigeai sowohl vor als auch nach der Schlacht von Pharsalos in dieser Hinsicht für die Römer wichtig war. Ps.-Kallisth. II 23, 1-2 ed. Thiel. Merkelbach, Gründungssage, 142. Vgl. Ziegler, Alexander, 679-699. Die Münzen: SNG Levante, 2351-2353; Ziegler, Münzen, Nr. 1387. Robert, Retour, 145. Am ehesten ist Aigeai eine Gründung des Seleukos I. mit griechischen, vor allem makedonischen Siedlern. Vgl. Ziegler, Alexander, 682 f. mit Verweis auf App. Syr. 57. Bloesch, Erinnerungen, 11. Auch Perseus tritt – ebenso wie in der Konkurrenzstadt Tarsos – auf Münzen als κτίστης in Erscheinung, s. hierzu Robert, Inscriptions, 88–132.
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diesem Hintergrund bezeichnet L. Robert den Hafen, die makedonisch-argivische Abkunft und das Asklepieion8 als die „trois gloires“ der Polis.9 Eine numismatische Besonderheit Aigeais ist, dass die Stadt unter Hadrian Silbermünzen prägen durfte. Diese Geldstücke aus den Jahren ΔΞΡ (164 = 117/118 n. Chr.) bis ΠΡ (180 = 133/134 n. Chr.) sind geeignet, unser Wissen über Hadrians Aktivitäten in Kilikien zu erweitern.10 Es handelt sich dabei um die ersten kaiserzeitlichen Silberemissionen der Stadt; erst unter Caracalla sollte noch einmal Silbergeld geprägt werden.11 Die hadrianischen Silbermünzen waren bislang sehr selten; keine der üblicherweise für Kilikien zitierten Sammlungen und nicht einmal Kataloge erreichen hier nur ansatzweise Vollständigkeit.12 2005 tauchten die ersten größeren Mengen dieses Silbergeldes aus Aigeai im Münzhandel auf. C. Lorber und D. Michaels konnten 405 dieser Münzen untersuchen.13 Darunter befinden sich einige (neue) Typen, die auf einen Besuch Hadrians im Jahr 129 und die gleichzeitige Einrichtung eines kilikischen Koinons schließen lassen sowie auf eine große Bedeutung des Hafens insgesamt, vor allem aber im Zweiten Jüdischen Krieg.14 Auch belegt die Stempelstudie der beiden Gelehrten, die ich um weitere 405 Münzen erweitern konnte, dass in Aigeai unter Hadrian einige hunderttausend dieser Großsilbermünzen geprägt wurden. Diese kursierten offenbar ausschließlich innerhalb der Polis.15 Sowohl die Größe der Emission als auch die motivische Vielfalt der Münzen versetzt uns in Erstaunen: Bekannt sind 21 Typen von Tri- und Tetradrachmen, verteilt auf 6 Jahrgänge.16 Schon W. Weber nahm die Silberprägung des Jahres
Das Asklepieion von Aigeai war spätestens im 3. Jh. n. Chr. von ähnlich großer Bedeutung wie die entsprechenden Kultstätten in Pergamon, Epidauros und auf Kos (Robert, Cilicie, 184). Die Bedeutung des Asklepios und der Hygieia als θεοὶ πολιοῦχοι deutet sich bereits auf der hadrianischen Münzprägung des Jahres 129/130 an (Asklepios: Lorber – Michaels, 235, Nr. 135; Hygieia: ebd., Nr. 136, 137, 140). Robert, Cilicie, 184. Zur Bedeutung des Hafens auch Strabon XIV 5,18. S. auch die Nennung eines Stabsoffiziers in CIL III 13616. Auf spätkaiserzeitlichen Münzen führte Aigeai den Titel einer ναυαρχίς, was auf seine Bedeutung als Flottenbasis der classis Syriaca verwies. Zum Flottenstützpunkt vgl. Kienast, Untersuchungen, 90-94. Dieser Titel wurde an solche Hafenstädte in Syrien und im südlichen Kleinasien vergeben, denen beim Schutz der syrischen Küste eine strategische Bedeutung zukam. Die Münzzeugnisse: BMC Lycaonia, 27 f., Nr. 39-43 (unter Valerian und Gallienus). Aigeai ist die einzige Stadt des Ebenen Kilikien mit datierten Münzen. Zwischen den Jahren 164 (= 117 n. Chr.) und 176 (= 129 n. Chr.) herrschte eine Prägepause. Gerade dies lässt auf eine Verbindung zwischen der Silberprägung und einem Kaiserbesuch schließen, da Hadrian erst wieder im Jahr 129 n. Chr. nach Kilikien kam (Halfmann, Itinera, 192 f.). Prieur, Nr. 723. Auch diese Prägung dürfte in Verbindung mit einem Kaiserbesuch stehen und ist sehr selten, vgl. Bloesch, Caracalla, 307–312. Prieur konnte für das Tridrachmon von 117, das die Büste Alexanders zeigt, nur drei Stempel ermitteln (ebd. 715A). Die Münzen mit Asklepios und Hygieia wurden bislang nur in Auktionskatalogen publiziert.
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Lorber – Michaels.
Vgl. Ziegler, Perseus-Mythos, 98, der eine Gründung des Koinons im Jahr 129 für möglich hält, sowie: Lorber – Michaels, 218. Lorber - Michaels, 207, vermuten zudem, dass „Aegeae protected its silver mintage by prohibiting coinage from other cities.“ Dies ist – in Anbetracht der enormen Menge dieses Silbergeldes – eine vernünftige Annahme. Sie basiert allerdings allein auf der Feststellung, dass die Münzen, die Lorber und Michaels untersucht haben, nicht mit Münzen anderer Städte oder reichsrömischen Münzen vermischt waren. Wie vorsichtig wir mit solchen Überlegungen sein müssen, zeigt die 2007 aufgetauchte Gruppe von 405 weiteren dieser Silbermünzen. Sie zeigen die Gründerheroen Perseus und Alexander, die Nymphe Adrasteia samt der zeussäugenden Ziege Amaltheia sowie die Heilgötter Asklepios und Hygieia, schließlich eine opfernde Athena Poliouchos und, in der Zahl überwiegend, einen auf einer Harpe stehenden Adler auf den Rückseiten.
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ΔΞΡ (117 n. Chr.) als Beleg für den Aufenthalt Hadrians in Aigeai.17 Nach julischer Zeitrechnung entspricht dies der Periode von November 117 bis November 118.18 Kurz nach seiner Machtergreifung am 11. August 117 n. Chr. reiste Hadrian von Antiocheia über Tarsos nach Ankyra, wobei sein Weg über Aigeai geführt haben muss. 19 Zeitgleich mussten die westlichen Heere aus Syrien zurückgeführt werden, da Hadrian beschlossen hatte, die von Trajan kurz zuvor eroberten Gebiete jenseits des Euphrats wieder aufzugeben.20 Mit der Räumung der Provinzen Mesopotamia und Assyria waren massive Truppenbewegungen verbunden. Wie groß die Truppen waren, die Hadrian mit sich führte, ist ungewiss. Weber geht davon aus, dass die aus Moesia inferior und Dakien stammenden Legionen von Antiocheia über Aigeai nach Ankyra zogen.21 Je nach Wetterlage dürfte es ratsam gewesen sein, die vaporatus aestus Ciliciae zu meiden und den Seeweg von Seleukeia Pieria nach Aigeai zu wählen. 22 Wegen der mit Truppenverlegung und Kaiserbesuch verbundenen Menschenmassen und auch wegen der prekären Situation, in der sich Hadrian am Beginn seiner Herrschaft befand, liegt es nahe, die im Jahr 117/118 einsetzende Silberemission Aigeais mit einem Kaiserbesuch in Verbindung zu bringen.23 Jüngst tauchte ein Tridrachmon24 auf, welches das spezielle Verhältnis Hadrians zu Aigeai unterstreicht, wenn nicht gar in ein besonderes Licht rückt (s. Abb. 1). 25 Die Vorderseite trägt die belorbeerte Portraitbüste Hadrians. 26 Im Gegensatz zu einem antiochenischen Tetradrachmon des Jahres 11727 ähnelt sie keinem der für Hadrian bekannten Portraittypen. 28 Die Legende lautet: ΑΥΤΟΚΡΑ ΚΑΙCAP ΤΡΑΙΑ ΑΔΡΙΑΝΟC. Die Rückseite zeigt das Por„Das Recht der Silberprägung, das sonst nur dem Reich selbst zusteht und unter Hadrian noch anderen Städten verliehen wird, wird mit der Gewährung der ἐλευθερία und αὐτονομία zusammenhängen, und zwar unter ganz besonders günstigen Bedingungen, da auch andern Städten die ἐλευθερία gegeben wird, ohne dass sie Silberwährung haben. Der Grund dieser besonderen Vergünstigung wird eben ein Besuch gewesen sein.“ (Weber, Untersuchungen, 55-58.) Weber geht mit Recht davon aus, dass sich der Status von Aigeai seit Plinius (NH V 91) nicht geändert hatte: „oppidum Aegeae liberum“. Bloesch, Erinnerungen, 18-22. Ders. grenzt den Beginn der lokalen Ära auf einen Zeitrahmen vom 5. bis 7. November ein, ist sich jedoch durchaus bewusst, hiermit „ein abstraktes Gerüst“ (ebd. 22) zu liefern.
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Ziegler, Kaiser, 93. Hist. Aug., Vita Hadr. 21, 10-12.
Weber, Untersuchungen, 56-59. A. Birley folgt ihm weitgehend, sieht den Kaiser aber nur von einem „detachment of the Praetorian Guard and the horse Guards“ begleitet, während er die restlichen Truppen bereits vorausgeschickt habe (ders.: Hadrian, 81). Die Einheit der equites singulares Augusti bzw. des numerus Batavorum, die von Trajan eingeführt worden war, hatte eine Stärke von 1000 Mann. Der Landweg von Antiocheia nach Mopsuhestia entlang der Bucht von Issos betrug etwa 145 Kilometer. Er führte von Antiocheia nach Pagrai, am Fuße des Amanosgebirges, wo ein beschwerlicher Aufstieg begann. Von Alexandreia am Issos führte der Marsch entlang dem Meer und schließlich durch die heute Çukurova genannte Ebene nach Mopsuhestia. Dieser Marsch dürfte aufgrund des Klimas im frühen Oktober erträglich gewesen sein, wenn auch anzunehmen ist, dass aus der „dampfende(n) kilikische(n) Gluthitze“, von der Ammianus Marcellinus im Zusammenhang mit einer Reise des Kaisers Valens I. im 4. Jh. n. Chr. (XXVI 7,2) berichtet, in dieser regenreichen Zeit eine schwülwarme Witterung wurde, die noch gewisse Gefahren barg. Tatsächlich ist die Pedias heute die heißeste Landschaft Kleinasiens; die Temperatur kann im Sommer bis zu 45 Grad betragen. Deshalb verbringen viele Bauern den Sommer auf Almen und kehren Mitte September zurück in die Ebene. Die Verkarstung der Landschaft setzte in der Antike mit dem Abholzen der Wälder zum Schiffbau ein (s. Hellenkemper – Hild, TIB V 1, 29). Ziegler, Kaiser, 93 f. Vgl. Lorber – Michaels, 218; letztere verweisen darauf, dass zu jener Zeit größere Truppenbewegungen im ostkleinasiatischen Raum stattfanden. Das Nominal des Tridrachmons war erst kurz zuvor von Trajan eingeführt worden. Das Gewicht der Silbermünze beträgt 9,66 Gramm. Die Tridrachmen des folgenden Jahres haben ein Zielgewicht von 9,51-9,6 Gramm und ein Durchschnittsgewicht von 9,78 Gramm.
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trait eines jungen Mannes mit Hakennase, kräftigen Lippen und fliehender Stirn. Er trägt eine Tänie, deren Bänder im Nacken flattern.29 Die Haartracht ist kurz gehalten, an der Stirnpartie ist eine Anastole angedeutet. Diadem und Stirnlocke weisen das Bildnis als das des Stadtgründers Alexander aus. Die Gesichtszüge wirken realistischer als die der Alexanderbildnisse des nachfolgenden Jahres (vgl. Abb. 2). Unter der Büste befindet sich als type parlant Aigeais eine nach rechts sitzende Ziege (αἴξ). Die Stempelstellung beträgt 6 Uhr und weicht damit von den Prägungen des folgenden Jahres 164 ab, bei denen eine Stempelstellung von 12 Uhr vorherrscht. Die Legende lautet ΕΤΟΥC ΓΞΡ ΑΙΓΕΑΙΩΝ und ermöglicht es also, die Münze in das aigeaiische Jahr 163 (November 116 – November 117) zu datieren. Auffällig ist, dass der Augustustitels in der Kaisertitulatur fehlt, eine Unterlassung, die bei einer Ausgabe dieser Münzen durchaus unangenehm aufgefallen sein könnte.30 Aus stilistischer Sicht ist die Münze bemerkenswert, denn es finden sich keine Ähnlichkeiten zu der im Jahr 164 einsetzenden Prägung.31 Das Kaiserportrait der Vorderseite gibt zwar einen anderen Bildnistyp als die späteren Prägungen wieder, doch weist es einen gänzlich anderen Stil auf, zumal ungewöhnlicherweise eine reine Portraitbüste gezeigt wird. Probleme bereitet die Identifikation des Bildnisses auf der Rückseite. Mit dem kurzen Haar, den tief sitzenden Augen und den ausgeprägten Wangenknochen ähnelt es eher dem Portrait eines hellenistischen Herrschers (vgl. Abb. 3 und 4) als dem im folgenden Jahr 164 stark stilisiert dargestellten Alexander (vgl. Abb. 2).32 Diese Diskrepanz muss man sich damit erklären, dass in Aigeai nicht regelmäßig solche Alexanderportraits geprägt wurden. Demjenigen, der
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Lanz 141, im Druck. Die Prägung weist einen halbseitigen Doppelschlag auf und ist etwas flau.
Das Tetradrachmon aus Antiocheia ist nach dem Regierungsjahr Α datiert und dürfte somit kurz vor dem Stück aus Aigeai entstanden sein (die Münze: Prieur 154). Das Haar am Hinterhaupt ist hier wellenförmig strukturiert und ähnelt darin dem „Stazione-Termini“-Typus. Es ist anzunehmen, dass in Antiocheia sofort nach der Erhebung Hadrians damit begonnen wurde, ein Herrscherportrait anzufertigen, das auf schnellstem Wege nach Rom geschickt wurde, um dort wiederum kopiert und ins gesamte Reich verschickt zu werden. Da Hadrian erst am 9. August – wenn überhaupt – adoptiert wurde, war in der Hauptstadt von ihm wahrscheinlich kein Portrait vorhanden. Zur Verbreitung kaiserlicher Bildnisse: Fittschen, Bildnisse, 181 f. Der Seeweg von Antiocheia bis Rom betrug etwa 2800 Kilometer. Dass beim Besuch Hadrians in Aigeai noch kein offizielles Portrait in der Stadt verfügbar war, lässt also vermuten, dass auch in diesem Fall der „große Dienstweg“ über Rom gegangen wurde. Dieser muss etwa zwei Monate betragen haben, nimmt man als Prägezeitraum unseres Tridrachmons die erste Oktoberwoche an. Die Tatsache, dass die Nachricht über einen neuen Kaiser aus Rom in Alexandria regelmäßig erst nach vier Wochen ankam, macht das glaubhaft, vgl. Kolb, Transport, 326. Vgl. die sieben Typen in: Fittschen – Zanker I, 44-58. Zwar ist das Portrait auch aufgrund der schlechten Prägung schwer zu analysieren. Doch fehlt hier jegliches Hadrian charakterisierende Merkmal, vor allem in der Gestaltung der Haare, um dieses Portrait einer Vorlage zuzuordnen. Die Münzprägung von Aigeai kennt an jugendlichen Männerbüsten die Bilder der Städtegründer Perseus und Alexander sowie von Dionysos (SNG Levante 1691, 1700, 1690). Das Fehlen des (gräzisierten) Augustustitels ist auf provinzialrömischen Bronzen sehr häufig, nicht aber auf den kilikischen Silberprägungen, denen schließlich eine gesonderte Verleihung des Prägerechts zugrunde liegen dürfte (Mommsen, Staatsrecht III, 712 u. Anm. 8, mit Verweis auf das schlechte Silber der kilikischen Münzen). Die Titulaturen auf Provinzialsilber sind daher in der Regel ebenso exakt wie die der reichsrömischen Münzen.
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154).
Auch mit dem zeitgleich emittierten Silbergeld von Antiocheia gibt es keine Ähnlichkeit (vgl. Prieur
Mit einer diesem Herrscher zugewiesenen Portraitmünze setzt die bislang bekannte Münzprägung in Aigeai ein. SNG Levante 1630, 1631.
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den Stempel schnitt, stand möglicherweise das Portrait eines Seleukiden vor Augen, welches an einem der öffentlichen Plätze der Stadt aufgestellt war. Aufgrund der bislang bekannten Gründungsgeschichte der Stadt und ihrer Münzprägung bietet sich als beabsichtigtes Münzbild allerdings nur Alexander an. Hadrian wurde am 11. August 117 zum Kaiser akklamiert.33 Die Münze kann erst danach und muss noch vor dem Jahreswechsel 163/164, d.h. dem November 117, geprägt worden sein. Es ist anzunehmen, dass sie mit dem Besuch Hadrians in der Stadt zusammenhängt. Hadrian verließ Antiocheia Ende September/Anfang Oktober.34 Das sog. Kappadokische Itinerar läßt ihn am 13. Oktober in Mopsukrene sein, der ersten Station an der via Tauri auf dem Weg von Tarsos nach Tyana.35 Mopsukrene ist, eine Reisegeschwindigkeit von täglich 30-50 km angenommen, vier Tagesreisen von Aigeai entfernt.36 Stellt man einen mehrtägigen Aufenthalt in der Metropolis Tarsos in Rechnung, so dürfte Hadrian Aigeai um den 7. Oktober herum verlassen haben. Das neue Tridrachmon belegt, dass man in Aigeai schneller als bislang angenommen auf den adventus des neuen Kaisers reagierte. Man kann davon ausgehen, dass die vorliegenden Stempel von einem einheimischen Handwerker gefertigt wurden, denn nur so sind die stilistischen Eigenheiten zu erklären.37 Da Aigeai in der römischen Kaiserzeit vor Hadrian keine Silbermünzen prägte und auch die Bronzeprägung unter Trajan spärlich war, sind Unregelmäßigkeiten in den ersten beiden Jahren der Münzprägung, wie sie Lorber und Michaels feststellten und wie sie auch am vorliegenden Tridrachmon aufscheinen, selbstverständlich. Möglicherweise diente diese erste Emission in der heiklen Anfangsphase der Herrschaft dazu, den adventus Hadrians in Aigeai mit einer öffentlichen Geldverteilung zu begleiten, denn offensichtlich ist die zeitliche Nähe der Münzemission zum Aufenthalt des Kaisers in Aigeai doch enger als zuvor angenommen werden durfte.38 Im Vergleich mit den Silberprägungen der anderen kilikischen Städte, vor allem Tarsos39 und Mopsuhestia40, belegt das Tridrachmon die herausgehobene Stellung Aigeais, denn die Nachbarstädte durften im Jahr 117 offenbar noch kein Silbergeld prägen. Beide Städte datierten zwar ihre Münzen nicht, doch passen diese hinsichtlich der Titulatur41 nicht zu den frühen Geprägen von Aigeai.42 Lediglich in Antiocheia, Hadrians vormaliger Statthalterresidenz, dürften ebenfalls bereits im
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Hist. Aug., Vita Hadr. 4,7, vgl. dazu Kienast, Kaisertabelle, 128. Halfmann, Itinera, 190, der Weber, Untersuchungen, 55-58 folgt. CIL VI, 5076. Hierzu Berges – Nollé, Tyana, 325 Nr. 23.
Hadrian wurde – neben den comites Augusti – begleitet von der etwa 1000 Mann starken Prätorianergarde (s. Anm. 21). Birley, Hadrian, 83 (mit Verweis auf die Überlegungen von Weber, Untersuchungen, 56-59). Daher ist eine recht zügige Reisegeschwindigkeit zu erwarten. Zur Geschwindigkeit s. Kolb, Transport, 312.
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Vgl. Anm. 27.
Einen solchen Verwendungszweck nimmt Magie für die zahlreichen Kistophorenprägungen Hadrians an. Magie, Rule, 623. Prieur 758-774A. Prieur 724-725A. Namentlich die Filiation des divus Traianus und der Titel des pater Patriae, vgl. Ziegler, Kaiser, 93.
Auch das bei CNG, Mail Bid Sale 63, Nr. 1028, angebotene und auf 117 datierte Stück stammt sicher nicht aus diesem Jahr.
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Herbst 117 Tetradrachmen geprägt worden sein.43 Hadrian muss also ein besonderes Verhältnis zu Aigeai gehabt haben, was sich auch darin widerspiegelt, dass ihm die Stadt einen Tempel widmete.44 Worauf dies gründen kann, sollen die folgenden Überlegungen ausloten. Die Hintergründe der Prägung können prinzipiell in propagandistischen sowie monetären Abwägungen zu finden sein: Einerseits zeigen die Münzen der Bevölkerung einer wichtigen Hafenstadt (und damit auch den dort verkehrenden Kaufleuten) das Portrait des neuen Kaisers. Mit diesem Argument der größeren Reichweite wäre zudem erklärbar, dass ähnliche Silberemissionen in weit bedeutenderen Orten Kilikiens zunächst ausblieben. Dennoch erscheint ein rein propagandistischer Hintergrund nicht bedeutend genug, um eine Silberemission von etlichen Millionen Drachmen zu initiieren. Vielmehr dürfte es sich hierbei zugleich um einen Reflex von Aigeais Beitrag zur Heeresversorgung handeln, denn sowohl im Verlauf der trajanischen Operationen im Osten als auch im Rahmen des Rückzugs unter Hadrian war der kilikische Raum von massiven Truppenbewegungen betroffen. Auch wenn die Landtruppen Aigeai wohl nicht passiert haben dürften, so zeigt doch die Münzprägung dieser Jahre, dass der Ort eine bedeutende strategische Rolle gespielt haben muss. Das galt nicht minder für andere Städte der Pedias. Zumindest in Tarsos war jedoch zu diesem Zeitpunkt keine Silberprägung nötig, da bereits unter Trajan sehr viel geprägt worden war. 45 Dies wiederum führt zu der zentralen Frage, wieso Aigeai erst unter Hadrian zu einer solchen (militärischen) Bedeutung gelangte, dass es in den Kreis der silberprägenden Städte aufstieg.46 Es lässt sich vermuten, dass Hadrian, der ja als Statthalter Syriens bereits einige Monate lang Gelegenheit gehabt hatte, die Infrastruktur am Golf von Issos zu studieren, die Möglichkeiten des Hafens von Aigeai erkannt hatte, und nun beschloss, dies stärker zu nutzen, als es bis dahin getan worden war. Das Recht, eigene Silbermünzen zu prägen, könnte dazu gedient haben, die Infrastruktur der Stadt weiter zu verbessern und insbesondere den Ausbau des Hafens voranzutreiben. Es ist durchaus denkbar, dass die vorliegende Münze ein Reflex davon ist, dass Hadrian Aigeai als Stützpunkt der syrischen Flotte einrichtete, was eine Inschrift bereits nahelegte.47 Trajan hatte in den Dakerkriegen im Jahr 105 damit begonnen, die Flotte in größere Truppentransporte einzubinden.48 Ebenfalls unter Trajan begannen die syrischen Städte Dora und Sidon, ihren Status als Flottenstützpunkte hervorzuheben;49 unter Hadrian sind ferner Laodicea ad Mare und Tripolis als ναυαρχίδες inschriftlich
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Prieur 154. Die Münze ist mit „A“ auf das erste Regierungsjahr datiert. Vgl. Anm. 27. Price, Rituals, 272; Schorndorfer, Bauten, 203. Prieur 752-757.
Dass Aigeai bereits Jahrhunderte zuvor als Hafen und Schiffswerft genutzt wurde, ist oben gezeigt worden. Dass es unter Domitian noch eine gewisse nautische Bedeutung gehabt haben muss, belegt eine Münze, die eine Stadtgöttin zeigt, die ein Aphlaston hält (SNG Levante 1707). Inwiefern Aigeai unter Trajan als Flottenbasis genutzt wurde, ist dagegen nicht belegt. Dagron - Feissel, Inscriptions, 126. Es handelt sich dabei um die Grabinschrift eines germanischen Soldaten der ravennatischen Flotte, gefunden in Aigeai. Ähnliche Inschriften von Mitgliedern der syrischen Flotte finden sich in Seleukeia Pieria, dem Hafen von Antiocheia. Der Soldat trägt das Gentiliz Ulp(ius) und kann somit das Bürgerrecht keinesfalls vor Trajan erhalten haben. Eine Vergabe unter Trajan ist plausibel, am ehesten in den Jahren des Partherkriegs (114-117), in den die Flotten massiv eingebunden waren. Die Inschrift kann also durchaus aus den späteren Jahren Trajans oder den frühen Hadrians stammen.
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Starr, Navy, 187. Auch in den Partherkriegen nutze er die Flotte intensiv zum Transport von Truppen. Ebd. Die Münzen: BMC Phoenicia, Nr. 193-196; 218-223 (Sidon); ebd., Nr. 30-32, 38-39, 40, 42 (Dora). Si-
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belegt.50 Diese Aufwertung Aigeais zum Stützpunkt der classis Syriaca wurde mit der vorliegenden Münze als eine Neugründung gefeiert, indem das Tridrachmon auf der einen Seite den κτίστης Alexander und auf der Gegenseite den Neugründer Hadrian zeigt. Die Begutachtung der Entwicklung der militärischen Infrastruktur Aigeais wäre auch eine gute Begründung für die möglicherweise vier Besuche Hadrians in der Stadt. 51 Dass sich Aigeai im Verlaufe des 2. Jh. zu einer wichtigen ναυαρχίς entwickelte, daran lassen die Quellen nicht zweifeln. An einen rein philhellenischen oder propagandistischen Hintergrund der Münzprägung ist in dieser kritischen Phase der Regierung Hadrians jedenfalls schwerlich zu denken. Wie nun genau die Wirtschaft einer kleinasiatischen Stadt von einer solchen Münzprägung profitierte, bleibt zu erforschen. Inschriften aus Pergamon52 und aus Ephesos53 legen nahe, dass der Tausch von Denaren in lokales Bronzegeld mit einem Agio bezahlt werden musste (das Gleiche gilt für den Rücktausch). Wäre auch in Aigeai der während der Truppendurchzüge florierende Handel ausschließlich mit dem städtischen Silbergeld betrieben worden, so wäre durch den Tausch der minderwertigen54 Drachmen gegen Denare und Aurei ein Gewinn entstanden, mit dem sich die Infrastruktur der Stadt hätte verbessern lassen. Auf diese Weise wäre es Hadrian gelungen, sich der Stadt gegenüber als εὐεργέτης zu erweisen, da er ihr das Privileg der Silberprägung gewährte, zugleich aber durch die Verbesserung der militärischen Infrastruktur, nämlich den Ausbau des Hafens, von den Früchten dieses Sonderrechts zu profitieren.
don trug den Titel bereits unter Vespasian.
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Ebd., Anm. 74; Laodikeia: IG III 479, Tripolis: IG III 622. Schorndorfer, Bauten, 203, stellt die entsprechenden Belege zusammen. OGIS 484, besonders Z. 8-11, vgl. hierzu Bogaert, Banques, 231-234. Wankel, Ephesos, Nr. 27, Z. 248-251.
Das Silbergeld von Aigeai ist im Vergleich zu den überregional kursierenden Tetradrachmen aus Antiocheia untergewichtig und besteht zudem aus schlechtem Silber, das gelegentlich als Billon bezeichnet wird, s. Lorber - Michaels, 219 f.
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Anhang: Beschreibungen der abgebildeten Münzen Abb. 2: Tridrachmon, Hadrian, Jahr 117 n. Chr., Aigeai, Prieur 715 bzw. 715A. Abb. 3: Tetradrachmon, Antiochos III., 200-187 v. Chr., Antiocheia, ex Lanz Auktion 97, Nr. 228. Abb. 4: Tetradrachmon, Antiochos IV., 175-164 v. Chr., Antiocheia, vgl. Houghton 108 f. Abgekürzt zitierte Literatur: Für die verwendeten Siglen der Zeitschriften vgl. das Siglenverzeichnis der Année philologique. D. Berges – J. Nollé, Tyana. Archäologisch-historische Untersuchungen zum südwestlichen Kappadokien (=Inschriften griechischer Städte aus Kleinasien, 55), Bonn 2000, Teil II. A. Birley, Hadrian, The restless emperor, New York 32001. H. Bloesch, Erinnerungen an Aigeai, Winterthur 1989. H. Bloesch, Caracalla in Aigeai, in: Congresso internazionale di numismatica, Roma 11–16 settembre 1961, Rom 1965, Bd. 2. R. Bogaert, Banques et banquiers dans les cites Grecques, Leiden 1968. Classical Numismatic Group, CNG Mail Bid Sale 63, Lancaster 2003. (= CNG Mail Bid Sale 63) G. Dagron - D. Feissel, Inscriptions de Cilicie, Paris 1987. K. Fittschen, Die Bildnisse des Augustus, in: G. Binder: Saeculum Augustum, Bd. III, Darmstadt 1991, 149-186. K. Fittschen – P. Zanker, Katalog der römischen Portraits in den Capitolinischen Museen und anderen kommunalen Sammlungen der Stadt Rom, Mainz 1983 ff. H. Halfmann, Itinera principum. Geschichte und Typologie der Kaiserreisen im römischen Reich, Stuttgart 1986. H. Hellenkemper – F. Hild, Kilikien und Isaurien (= Tabula Imperii Byzantini V, 1/2). Wien 2 2004. (= TIB V) G. F. Hill, Catalogue of the Greek Coins of Lycaonia, Isauria, and Cilicia, London 1900, ND Bologna 1964. (= BMC Lycaonia) G. F. Hill, Catalogue of the Greek Coins of Phoenicia, London 1910, ND Bologna 1965. (= BMC Phoenicia) D. Kienast, Untersuchungen zu den Kriegsflotten der römischen Kaiserzeit, Bonn 1966. D. Kienast, Römische Kaisertabelle. Darmstadt 21996. A. Kolb, Transport und Nachrichtentransfer im Römischen Reich (= Klio Beihefte 2), Berlin 2000. E. Levante, SNG Switzerland 1, Levante-Cilicia, Bern 1986. (= SNG Levante)
Hadrian und Aigeai: Ein neues Tridrachmon
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